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Netzausbau-Interview mit Prof. Dr.-Ing. Ralf Lehnert28.11.2014

Die Bundesregierung hat einen Fahrplan zum Internet-Netzausbau vorgelegt, der auf ein verhaltenes Echo trifft. Vor allem die laxen Vorgaben zum flächendeckenden Breitbandausbau bis 2018 sorgen bei vielen Experten für Stirnrunzeln. Im folgenden Interview mit Prof. Dr.-Ing. Ralf Lehnert von der Technischen Universität Dresden geht PREISVERGLEICH.de den Schwachpunkten der Digitalen Agenda auf den Grund.

Wie beurteilen Sie den flächendeckenden Breitbandausbau bis zum Jahr 2018, welchen die Bundesregierung im Rahmen ihrer Digitalen Agenda vorsieht?

Ralf Lehnert: Was Politik sagt und was Politik macht, sind immer noch zwei Paar Schuhe. Ich glaube es erst, wenn es was wird. Bislang wurde lediglich beschlossen und beraten. Wie die Umsetzung erfolgen soll, ist dabei in vielen Ausbaugebieten noch ziemlich offen.

Ist es realistisch zu sagen, dass bis zum Jahr 2018 in allen städtischen und ländlichen Regionen DSL Geschwindigkeiten mit 50 Mbit/s genutzt werden können?

R. L.: Das Ganze geht nur, wenn man Geld in die Hand nimmt und genau da sehe ich das Problem. Wenn man in Deutschland jeden Haushalt mit einem Glasfaseranschluss versorgen will, dann kostet das gute 90 Milliarden Euro. Die Zahlen in den Medien variieren. Einer spricht von 93 Milliarden, ein anderer sogar von 98 Milliarden Euro. Die Zwischenlösung mit VDSL mit 50 bis 100 Mbit/s ist vermutlich preisgünstiger.

Welche Rolle zur Erreichung der Breitbandziele werden künftig Funktechnologien wie z. B. LTE einnehmen? Kann die Funktechnologie den DSL-Anschluss in vollem Umfang ersetzen?

R. L.: Antwort: Nein! LTE ist ein sogenanntes Shared Medium, das heißt, die Nutzer teilen sich die gesamte Bandbreite. Gehen wir mal in den ländlichen Raum, in dem teilweise nur LTE verfügbar ist. Wir haben z. B. eine Summenbandbreite von 100 Mbit/s und drei Häuser. Jedes Haus bekommt bei gleichzeitiger Nutzung nun ein Drittel der Bandbreite. Das ist in diesem Fall in Ordnung. Wenn es aber 100 gleichzeitige Nutzer z. B. in den Abendstunden sind: Das kann mit einem Shared Medium wie z. B. LTE nicht vernünftig funktionieren. Derzeit wird mit 5G die nächste Generation mit über 1000 Mbit/s vorbereitet. 5G geht aber frühestens ab 2020 an den Start.

Der Telekommunikationsmarkt unterliegt einem stetigen Wandel. Sehen Sie in der Konsolidierung von DSL Anbietern und Kabelnetzbetreibern (siehe Mehrheitserwerb der Vodafone Group an Kabel Deutschland) einen Vorteil für den Breitbandausbau in Deutschland?

R. L.: Auf jeden Fall. Aus ökonomischer Sicht ist das sogar wichtig. Damit kann ein Anbieter, wie z. B. Vodafone, gebündelte Leistungen anbieten, wodurch auch ein Kundenvorteil entsteht.

Darauf aufbauend die Frage: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie im Rahmen der Digitalen Agenda auf den Markt zukommen? Wie beurteilen Sie die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Marktteilnehmer?

R. L.: Stichwort Baukosten! Diese produzieren den Löwenanteil der Kosten. Hier bedarf es einer geschickten Strategie bei der Verlegung von Glasfasern. Mit einer besseren Abstimmung ist das machbar. Beispielsweise werden in einer Straße neue Wasser- oder Stromleitungen verlegt. Dafür muss der Boden ausgehoben werden. Am günstigsten wird es, wenn in diesem Fall gleich das Glasfaserkabel mit verlegt wird. Er wäre sehr teuer, wenn die Straße noch einmal ausgehoben werden müsste. Dies wird bisher nur teilweise so gemacht.

Wie soll Ihrer Meinung nach die Finanzierung für den bundesweiten Netzausbau aussehen. Erwarten Sie umfangreiche Subventionen von der Bundesregierung?

R. L.: Hier fehlt aus meiner Sicht der Masterplan. Trotz aller Diskussionen sehe ich bislang keinen Fortschritt. Finanziert wird nur dort, wo es sich auch lohnt. Das heißt dort, wo die Ausgaben auch wieder zurückfließen können. In ländlichen Regionen ist dies eher nicht der Fall. Die Netzbetreiber müssen dies aus eigener Kraft bewältigen.“

Fluch oder Segen. Ist es ausgeschlossen, dass die Verbraucher den Netzausbau durch höhere Bereitstellungs- und Nutzungsgebühren selbst bezahlen müssen?

R. L.: Nein, möglicherweise ist dies auch gar nicht anders zu machen. Sicherlich wird es Piloten geben, die ausprobieren werden, ob die Kunden darauf eingehen oder eben nicht. Bei einem Anschluss von 50 Mbit/s sind sicherlich einige Kunden bereit dafür auch mehr Geld zu bezahlen. Machen wir mal eine einfache Rechnung. Der Netzausbau in Glasfasertechnik kostet ca. 90 Milliarden Euro. In Deutschland gibt es etwa 40 Millionen Haushalte. Somit würde jeder Anschluss etwa 2.250 Euro kosten. Geteilt durch zehn Jahre haben wir 225 Euro pro Jahr. Rechnen wir es jetzt noch auf den Monat runter, so kommen wir auf knapp 20,00 Euro Mehrkosten pro Monat. Da es viele Teilnehmer gibt, die auch Pay-TV beziehen, wird es den einen oder anderen Teilnehmer geben, der bereit ist auch diese Mehrkosten von ca. 20,00 Euro pro Monat zu tragen.

Abschlussfrage: Sehen Sie die von der Bundesregierung vorgelegte Digitale Agenda als wegweisend und Notwendigkeit für die digitale Infrastruktur in Deutschland und Europa?

R. L.: Wie gesagt, ich stehe der Realisierung des Ganzen etwas skeptisch gegenüber. Hier fehlt mir ein konkreter Zeitrahmen und Umsetzungsplan. Sonst kann ich es nicht beurteilen.

Wir danken Prof. Dr.-Ing. Lehnert für dieses Interview.

Über den Autor:

Prof. Dr.-Ing. Ralf LehnertProf. Dr.-Ing. Ralf Lehnert studierte Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Aachen und erhielt 1979 den Doktorgrad. Seit 1994 ist er Professor der Technischen Universität Dresden und leitet dort den Lehrstuhl für Telekommunikation. Er ist Verfasser zahlreicher Schriften zur Performance Evaluierung von Kommunikationssystemen. Als Experte im Fachgebiet Telekommunikation ist er zudem international tätig.

Diese Äußerungen spiegeln die Meinung des Interviewpartners wider und müssen nicht zwangsläufig mit der von PREISVERGLEICH.de übereinstimmen.

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