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Roaming-Interview mit Prof. Dr. Jan Krämer01.07.2015

Prof. Dr. Jan Krämer im Interview zur Abschaffung der Roaming-GebührenGeht es nach den aktuellen Beschlüssen der EU, sollen Roaming-Gebühren für die Nutzung von Internet- und Mobilfunkleistungen innerhalb der Europäischen Union bis zum Sommer 2017 abgeschafft werden. PREISVERGLEICH.de hat den Experten Prof. Dr. Jan Krämer (siehe Bild) von der Universität Passau dazu befragt, wie er die Abschaffung der Roaming-Gebühren einschätzt.

1.) Mit der Abschaffung der Roaming-Gebühr unterstützt die EU die Entlastung der Verbraucher. Wie beurteilen Sie diesen Sachverhalt?

a.) aus Verbrauchersicht

Jan Krämer: Die europäischen Verbraucher werden tatsächlich im Großen und Ganzen von der Regulierung profitieren. Innerhalb der EU fallen in Zukunft die gleichen Telefon- und Datengebühren an wie im Heimatland. Allerdings kann es durchaus auch Verlierer der Regulierung geben. Empirische Forschungsarbeiten haben beispielsweise gezeigt, dass die Roaming-Gebühren in Nicht-EU-Ländern als Folge der Regulierung in EU-Ländern durchaus steigen könnten. Man nennt dies den „Wasserbett“-Effekt. Konsumenten, die viel in Nicht-EU-Ländern unterwegs sind könnten also durch die Regulierung negativ betroffen sein. Außerdem kann es durchaus als Folge der Regulierung zu moderaten (inflationsbereinigten) Preissteigerungen bei den Inlandstarifen kommen, da für die Anbieter Zusatzeinnahmen aus Roaming-Gebühren in Zukunft wegfallen, durch die bisher Inlandstarife quersubventioniert werden konnten. Diejenigen, die selten ins EU-Ausland fahren, könnten also relativ schlechter gestellt sein als zuvor. Auf Grund des durchaus intensiven Wettbewerbs zwischen Mobilfunkanbietern wird dieser potentiell negative Effekt jedoch nicht zu stark ausfallen.

b.) aus Anbietersicht

J. K.: Aus Anbietersicht ergeben sich prinzipiell die gleichen Effekte. Roaming-Gebühren waren bisher ein lukratives Geschäft aus Anbietersicht und diese Einnahmequelle bricht jetzt zum Teil weg. Man sollte jedoch nicht die Roaming-Gebühren aus Nicht-EU-Ländern, wie etwa der Schweiz oder der Türkei, vernachlässigen, die vermutlich in der Folge steigen werden. Gerade in kleineren Nicht-EU-Ländern, in denen es in der Regel nur wenige Mobilfunkanbieter gibt, haben die Anbieter eine relative hohe Marktmacht, die sich in hohen Roaming-Gebühren niederschlagen.

2.) Was können Sie Verbrauchern empfehlen, um hohe Roaming-Kosten zu vermeiden?

J. K.: Innerhalb der EU greift die Regulierung hier auch bereits. Anbieter sind z.B. ab Juli verpflichtet bei akkumulierten Kosten von 60 EUR für Datenverbrauch die Verbindung zu unterbrechen und zuvor eine Warnung per SMS zu senden. Viele Anbieter bieten Reisepakete an, die sich zumindest bis 2017 in der Regel auch lohnen. Generell gilt jedoch, dass man sich im Vorfeld über die Roaming-Kosten, vor allem im EU Ausland informieren sollte und den Roaming-Betrieb des Datennetzwerks deaktivieren sollte. Oft besteht auch die Möglichkeit im Ausland einen anderen als den vom Netzbetreiber automatisch ausgewählten Roaming-Anbieter zu wählen und so ggf. Kosten zu sparen.

3.) Welche Auswirkungen (ggf. Vor- und Nachteile) sehen Sie auf die Telekommunikationsbranche zukommen, wenn die Gebühr 2017 abgeschafft wird?

a.) Ist es möglich, dass Roaming-Gebühren gar europaweit abgeschafft werden?

J. K.: Ohne Regulierung glaube ich nicht, dass die Roaming-Gebühren in Nicht-EU-Ländern wegfallen. Eher im Gegenteil. Es wird jedoch voraussichtlich zunehmend spezielle Inlandstarife geben, für die die Roaming-Gebühren auch im Nicht-EU-Ausland wegfallen. Dies ist vergleichbar mit Banken, die damit werben, dass man an jedem Automat kostenfrei Bargeld abheben kann.

b.) Szenario: Mit dem Wegfall der Gebühr könnte theoretisch ein Verbraucher aus Italien einen günstigeren Mobilfunkvertrag mit einem Anbieter aus der Slowakei abschließen. Wie wird die Branche diesem Phänomen begegnen?

J. K.: Das wird, zumindest mittelfristig, nicht möglich sein, denn das „Problem“ wurde bereits von der Europäischen Kommission vorhergesehen. Für das kostenlose Roaming werden daher Höchstgrenzen definiert (Minuten, SMS, Datenvolumen). Darüber hinaus könnten dann doch wieder Roaming-Gebühren anfallen.

4.) Abschlussfrage: Wie bewerten Sie die staatliche Regulierung? Erwarten Sie, dass die Netzbetreiber eigene Initiativen ergreifen, um der EU-Regulierung entgegenzutreten?

J. K.: Die Regulierung ist im Kontext der europäischen Bestrebungen, einen einheitlichen digitalen Markt zu schaffen konsequent. Für die europäischen Verbraucher und z.B. den freien länderübergreifenden Austausch von Dienstleistungen sind Roaming-Gebühren ein unnötiges Hemmnis. Anbieter werden, wie zuvor erwähnt, mit neuen Tarifen darauf reagieren. Insgesamt ist die Entscheidung jedoch im Kontext eines vereinten Europas zu begrüßen.


Wir danken Herrn Prof. Dr. Jan Krämer für dieses Interview. Herr Krämer ist seit Oktober 2014 Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt Internet- und Telekommunikationswirtschaft an der Universität Passau.


Die Äußerungen spiegeln die Meinung des Interviewpartners wider und müssen nicht zwangsläufig mit der von PREISVERGLEICH.de übereinstimmen.

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