Das Wichtigste in Kürze
- Die Bundesnetzagentur hat am 19. Januar 2026 ein Regulierungskonzept veröffentlicht, das den Wechsel von Kupfer (z. B. DSL) zu Glasfaser regeln soll.
- Kupfer soll erst dann abgeschaltet werden können, wenn vor Ort mindestens Glasfaser verfügbar ist und Zugang für Drittanbieter (Open Access) einheitlich geregelt ist.
- Geplant sind klare Vorlaufzeiten: Vermarktungsende für Kupfer mindestens 24 Monate vor Abschaltung, Ankündigung der Abschaltabsicht mindestens 12 Monate vorher.
- Bis 16. März 2026 läuft eine Konsultation, in der Unternehmen und Bürger Stellung nehmen können.
- Ein sofortiger Abschalt-Start ist nicht vorgesehen; zentrale Punkte benötigen voraussichtlich Anpassungen im Telekommunikationsrecht.
Warum das Thema jetzt wichtig ist
Deutschland hängt beim schnellen Internet noch am „Kupferdraht von gestern“. Das neue Konzept der Bundesnetzagentur soll den Umstieg auf Glasfaser ordnen, damit niemand plötzlich ohne Anschluss dasteht und der Wettbewerb erhalten bleibt.
Wie gut ist die Quellenlage?
Grundlage ist das veröffentlichte Konzept der Bundesnetzagentur vom 19. Januar 2026. Ergänzend liegen Einschätzungen aus Beratung, Fachpresse und Branche vor. In der Tendenz sind diese Quellen konsistent: Alle erwarten einen geregelten Prozess, weisen aber darauf hin, dass für Details rechtliche Klarstellungen nötig sind.
Was die wichtigsten Akteure dazu sagen
- Bundesnetzagentur: Verbraucher sollen „früh und ausführlich“ informiert werden und auch in der Glasfaserwelt zwischen Anbietern zu fairen Preisen wählen können. Zudem wird betont, dass ein langer Parallelbetrieb von Kupfer die Rentabilität von Glasfaser-Investitionen drückt.
- Grant Thornton: Anbieter sollten sich früh mit den Anforderungen befassen, eigene Migrationsstrategien rechtlich absichern und sich aktiv an der Konsultation beteiligen. Es wird ein „Paradigmenwechsel“ hin zu einem stärker geregelten Prozess gesehen.
- Rödl & Partner: Der Weg zur finalen Regulierung werde zeitlich und inhaltlich anspruchsvoll. Vorbereitung und Marktdialog seien jetzt entscheidend.
- Branchenstimmen (u. a. Fachmedien): Es brauche ein verlässliches, regelgebundenes Verfahren und einen übergeordneten Migrationsplan, damit Investitionen planbar werden.
Was bedeutet das für Sie als Nutzer?
Wenn Sie heute noch DSL nutzen, geht es hier um Ihre mittelfristige Anschluss-Zukunft. Glasfaser ist wie der Umzug von einer Landstraße auf eine mehrspurige Autobahn. Mehr Tempo, weniger Stau, stabilere Verbindung. Aber der Wechsel muss sauber organisiert sein.
Für wen ist das relevant? Vor allem für Haushalte und kleine Betriebe mit DSL, für Homeoffice, Streaming und viele vernetzte Geräte. Auch relevant, wenn Sie Ihren Anbieter behalten wollen, obwohl das Netz sich ändert.
Für wen eher nicht? Wenn Sie bereits einen stabilen Glasfaseranschluss (FTTH) nutzen, ändert sich kurzfristig wenig. Das Konzept zielt vor allem auf Gebiete, in denen Kupfer noch dominiert.
Worst Case vs. realistisches Szenario: Worst Case wäre ein ungeplanter Zwangsumstieg mit wenig Auswahl. Genau das soll verhindert werden. Realistisch ist: Es kommt schrittweise zu Umstellungen, mit langen Vorlaufzeiten und klaren Informationspflichten, sobald die Regeln greifen.
Was sollten Verbraucher jetzt tun?
- Prüfen Sie Ihre Anschlussart. Steht im Vertrag oder im Kundenportal: DSL/Kupfer, Kabel oder Glasfaser.
- Halten Sie Ausschau nach Ausbau-Infos in Ihrer Straße. Wenn Glasfaser verfügbar wird, lohnt sich ein früher Vergleich von Tarifen und Laufzeiten.
- Fragen Sie nach Wahlmöglichkeiten. Wenn ein Wechsel ansteht, ist wichtig: Gibt es mehrere Anbieter über das Netz (Open Access) oder nur einen?
- Planen Sie Vertragslaufzeiten bewusst. Lange Bindungen können unpraktisch sein, wenn in den nächsten 1-2 Jahren umgestellt wird.
Was das für den Markt bedeutet
Für Netzbetreiber ist Kupfer ein „zweites Gleis“, das teuer mitläuft. Je länger Kupfer parallel betrieben wird, desto schwerer rechnet sich Glasfaser-Ausbau. Das Konzept versucht, den Knoten zu lösen: Abschalten soll möglich sein, aber nur mit Leitplanken wie Glasfaser-Verfügbarkeit und Open Access, damit Wettbewerb nicht verloren geht.
| Thema | Richtung des Konzepts | Mögliche Folge |
| Kupfer-Abschaltung | An Bedingungen und Fristen gebunden | Mehr Planungssicherheit, weniger „Überraschungswechsel“ |
| Open Access | Einheitlich technisch, prozessual und preislich | Mehr Anbieterwahl auf Glasfaser, weniger Abhängigkeit |
| Investitionen | Glasfaser soll schneller rentabel werden | Höhere Ausbau-Anreize, wenn Regeln klar sind |
Unsere Einschätzung
Neutral bis positiv. Positiv ist der klare Fokus auf planbare Übergänge, lange Ankündigungsfristen und Wahlmöglichkeiten. Neutral ist es, weil noch nicht alles „fertig geregelt“ ist. Ohne rechtliche Anpassungen bleibt einiges ein Entwurf mit Richtung, aber ohne harte Durchsetzung.
Wie es weitergeht
Bis zum 16. März 2026 können Stellungnahmen eingehen. Danach dürfte es Anpassungen geben, und Teile des Konzepts müssen voraussichtlich ins Telekommunikationsrecht übersetzt werden. Eine großflächige Abschaltung von Kupfer ist daher nicht „morgen“, sondern ein Schritt-für-Schritt-Prozess, der erst bei ausreichendem Glasfaser-Ausbau praktisch wird.
Weiterführende Hilfe: so finden Sie Ihren nächsten Schritt
Quellen
- Kupfer-Glas-Migration: Was der BNetzA-Entwurf für ... - 2026-01-22
- Kupfer-Glas-Migration: Konzept der Bundesnetzagentur ... - 2026-01-20
- Presse - Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration - 2026-01-19
- Bundesnetzagentur: Konzept für die Kupfer-Glas-Migration - 2026-01-26
- Bundesnetzagentur zeigt den Weg zur Kupfer-Abschaltung ... - 2026-01-20
- Kupfer Glas Migration - 2025-04-28
- DSLWEB Breitband Report 2026: Beim Glasfaser-Ausbau ... - 2026-01-26
- DSL-Abschaltung ab 2030? BNetzA-Konzept zur Kupfer- ... - 2026-01-22
- Digital Networks Act: So will die EU-Kommission den ... - 2026-01-22
