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Netzausbau-Interview mit Prof. Dr. Peter Winzer08.12.2014

Die von der Bundesregierung vorgelegte Digitale Agenda enthält ein ehrgeiziges Vorhaben: den flächendeckenden Breitbandausbau bis 2017. Wer das Projekt finanzieren soll und ob am Ende die Verbraucher die Last der Kosten schultern müssen, ist völlig offen. PREISVERGLEICH.de hat den Experten Prof. Dr. Peter Winzer von der Hochschule RheinMain dazu befragt, wie er die Digitale Agenda einschätzt.

1. Wie beurteilen Sie den flächendeckenden Breitbandausbau bis zum Jahr 2017, welchen die Bundesregierung im Rahmen ihrer Digitalen Agenda vorsieht?

Peter Winzer: Die Ziele der Bundesregierung sind sehr ambitioniert und werden m.E. nicht erreicht werden.

2. Ist es realistisch zu sagen, dass bis zum Jahr 2018 in allen städtischen und ländlichen Regionen DSL Geschwindigkeiten mit 50 Mbit/s genutzt werden können?

P. W. : Dieses Ziel ist vor allem bezogenen auf die meisten ländlichen Regionen (mittels eines wirtschaftlichen Ausbaus) nicht zu erreichen. D.h., es würden ganz erhebliche Subventionen erforderlich sein, um dieses Ziel zu verwirklichen, was mir aber unrealistisch erscheint.

3. Welche Rolle zur Erreichung der Breitbandziele werden künftig Funktechnologien wie z. B. LTE einnehmen? Kann die Funktechnologie den DSL-Anschluss in vollem Umfang ersetzen?

P. W.: Funktechnologien und hierbei insbesondere LTE sind wichtige Instrumente, um v.a. in ländlichen Regionen Breitbandanschlüsse bereitzustellen. Allerdings unterliegen funkbasierte Breitbandanschlüsse immer wieder Qualitätsschwankungen und liefern i.d.R. bei Weitem nicht in der gleichen Stabilität/Qualität hohe Bandbreiten wie festnetzbasierte Anschlüsse, vor allem dann, wenn in einem Versorgungsgebiet viele Kunden gleichzeitig darauf zugreifen (–> Shared Medium Problematik). Insofern werden Funk-/LTE-Breitbandanschlüsse in den meisten Fällen als „Übergangstechnologie“ fungieren, um schnell hohe Bandbreiten liefern zu können, bis später ein Festnetzausbau erfolgt.

4. Der Telekommunikationsmarkt unterliegt einem stetigen Wandel. Sehen Sie in der Konsolidierung von DSL Anbietern und Kabelnetzbetreibern (siehe Mehrheitserwerb der Vodafone Group an Kabel Deutschland) einen Vorteil für den Breitbandausbau in Deutschland?

P. W.: Solche Konsolidierungen haben für den Breitbandausbau sowohl positive als auch negative Impulse.

Zum einen stärkt die Konsolidierung die Marktposition z.B. der Vodafone Group und eröffnet (zukünftige) Synergiepotenziale. Hierdurch stehen den großen/konsolidierten „Playern“ langfristig tendenziell eher höhere positive Cashflows zur Verfügung, welche diese in den Breitbandausbau investieren können.

Zum anderen wird aber durch die vorgenannte tendenzielle größere Marktmacht der „Big Player“ die Marktposition der regionalen Anschlussnetzbetreiber (wie z.B. EWE TEL, M-net , NetCologne oder auch zahlreicher regionaler Energieversorger, die in Breitbandnetze investieren) gleichzeitig eher geschwächt. Da die vorgenannten regionalen TK-Netzbetreiber und Energieversorger in den vergangenen Jahren die Vorreiter beim Aufbau neuer Breitband-/Glasfaser-Infrastrukturen waren und noch immer in erheblichem Umfang in solche Netze investieren (wollen), dürften Konsolidierungen und die damit verbundene Stärkung der großen Player den Breitbandausbau (v.a. über neue Glasfaserinfrastrukturen) mittel- und langfristig eher behindern.

5. Darauf aufbauend die Frage: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie im Rahmen der Digitalen Agenda auf den Markt zukommen? Wie beurteilen Sie die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Marktteilnehmer?

P. W.: Die größte Herausforderung besteht m.E. darin Breitbandanschlüsse zu solchen Preisen zu vermarkten, welche den Netzbetreibern die Investition in neue Infrastrukturen/Technologien (wie Glasfaser und VDSL) ermöglichen.

Der (deutsche) Breitbandmarkt steht z.Zt. vor dem „Dilemma“, dass auf der einen Seite von allen Beteiligten höhere Bandbreiten für notwendig erachtet werden. Auf der anderen Seite besteht seitens der allermeisten Endkunden aber kaum eine höhere Zahlungsbereitschaft für leistungsfähigere Breitbandanschlüsse. Dies hat m.E. insbesondere folgende Gründe:

(a) Die allermeisten (privaten) Endkunden sind mit ihrem aktuellen Breitbandanschluss (mit dem sie E-Mails versenden, Reisen buchen können etc.) relativ zufriedenen und wissen momentan (mangels entsprechender Dienste/“Killer“-Applikationen) nicht, warum sie diesen (für ein höheres Entgelt) „aufrüsten“ sollen. (Dies gilt umso mehr, je höher die aktuelle Bandbreite ist. Z.B. wird bei einem Wechsel von einem 16 Mbit/s- auf einen 50 Mbit/s-Anschluss der Endkunde nur in seltenen Fällen überhaupt eine Leistungsänderung „spüren“, da bei den vorgenannten Bandbreiten bei vielen Anwendungen oftmals „Bottlenecks“ im Netz viel eher der limitierende Faktor sind als der Anschluss.)

(b) Zudem scheuen die meisten (privaten) Endkunden (z.T. Aufgrund schlechter Vorerfahrungen) vor jeglichen Veränderungen ihres funktionierenden Anschlusses zurück (Stichwort: „Never Change a Running System“).

Insofern sind Breitbandausbauvorhaben, v. a. mittels neuer Infrastruktur, nur sehr schwer wirtschaftlich zu realisieren.

Die künftige Wettbewerbsfähigkeit und die Marktanteile der Marktteilnehmer werden sich m.E. (noch) mehr zugunsten der TV-Kabelnetzbetreiber und zulasten der klassischen TK-Netzbetreiber (außer der Telekom Deutschland) verschieben, da die TV-Kabelnetzbetreiber auf Basis ihrer vorhandenen und größtenteils bezahlten bzw. abgeschriebenen Koaxial-Netze i.d.R. Breitbandanschlüsse mit besseren Leistungen (und v.a. mit einem deutlich besseren Preis-Leistungs-Verhältnis) anbieten können. (Ein noch schnelleres Wachstum der TV-Kabelnetzbetreiber wird hierbei v.a. durch die oben unter (b) beschriebene „Trägheit“ der Endkunden gebremst.)

Hierbei werden insbesondere die neuen TK-Netzbetreiber Marktanteile an die TV-Kabelnetzbetreiber verlieren, da deren Kunden eher grundsätzlich zu einem Wechsel des Betreibers bereit sind.

Die Telekom Deutschland wird hingegen weniger von dieser Tendenz betroffen sein, da deren Kunden größtenteils konservativer bzw. wechselunwilliger sind.

6. Wie soll Ihrer Meinung nach die Finanzierung für den bundesweiten Netzausbau aussehen. Erwarten Sie umfangreiche Subventionen von der Bundesregierung?

P. W.: Zunächst ist zu fragen ob dieser „bundesweite“ Netzausbau überhaupt erfolgen „muss“ oder ob hier nicht auch (wie bei vielen anderen Angeboten) ein gewisses „Stadt-Landgefälle“ einfach den ökonomischen Gegebenheiten entspricht. Genauso wie es aus guten ökonomischen Gründen in ländlichen Regionen z.B. eine deutlichere geringe Dichte an Einkaufs- oder Ausgehmöglichkeiten oder eine schlechtere Autobahn-/Verkehrsanbindung gibt als in Ballungszentren. Umgekehrt profitieren Einwohner ländlicher Regionen ja z.B. auch von erheblich geringeren Mieten/Immobilienpreisen, geringerer Umweltverschmutzung etc.

Grundsätzlich ist m.E. (unabhängig davon, ob es sich um Ballungszentren oder ländliche Regionen handelt) eine Beteiligung der Immobilienbesitzer an den Anschlusskosten (neuer) Breitbandinfrastrukturen denkbar. (Genauso wie ja bei einem Neubau auch die „letzten Meter“ anderer Infrastrukturanschlüsse oftmals vom Bauherrn zu tragen sind.) Insbesondere da der Wert bzw. der mögliche Mietertrag einer Immobilie in Zukunft auch immer mehr von der Qualität der Breitbandversorgung abhängen dürfte.

Wie bereits weiter oben (–> Frage 2) gesagt, wird es umfangreiche Subventionen geben müssen, wenn die ambitionierten Ausbauziele tatsächlich erreicht werden sollen. Allerdings glaube ich eher, dass die Ziele weiter nach hinten verschoben werden.

7. Fluch oder Segen. Ist es ausgeschlossen, dass die Verbraucher den Netzausbau durch höhere Bereitstellungs- und Nutzungsgebühren selbst bezahlen müssen?

P. W.: Wie bereits weiter oben ausgeführt, ist dies nicht auszuschließen. Die entscheidende Frage bleibt, ob diese am Markt durchsetzbar wäre.

8. Abschlussfrage: Sehen Sie die von der Bundesregierung vorgelegte Digitale Agenda als wegweisend und Notwendigkeit für die digitale Infrastruktur in Deutschland und Europa?

P. W.: Die Digitale Agenda der Bundesregierung ist zunächst ein politischer Wunsch bzw. eine Willenserklärung. Ohne eine Veränderung der Rahmenbedingungen (z.B. durch erhebliche höhere Subventionen oder drastische Vereinfachungen bei der Durchführung von Baumaßnahmen, wobei exemplarisch deutlich erweiterte Wegerechte für Breitbandnetzbetreiber zu nennen wären) wird diese aber nicht umgesetzt werden.

Wir danken Prof. Dr. Peter Winzer für dieses Interview.

Über den Autor:

Prof. Dr. Peter WinzerProf. Dr. Peter Winzer ist Professor für Telekommunikations- und Medienwirtschaft an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden (www.hs-rm.de/?id=7211). Außerdem ist er Gesellschafter der Dialog Consult GmbH (www.dialog-consult.com) und verfügt über ca. 20 Jahre Erfahrung aus zahlreichen Beratungsprojekten und Gutachten v. a. in der Telekommunikationsbranche.

Diese Äußerungen spiegeln die Meinung des Interviewpartners wider und müssen nicht zwangsläufig mit der von PREISVERGLEICH.de übereinstimmen.

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